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Häufige Träume

10 Arten von Träumen und wofür jede einzelne da ist

Es ist verlockend, von Träumen wie von einer Sache zu sprechen. Sie sind es nicht. Die zehn Minuten REM-Schlaf, in denen dich eine Großmutter besuchte, die seit einem Jahrzehnt fort ist, sind nicht dasselbe Ereignis wie der Angsttraum, in dem du zu spät zu einer Prüfung in einem Gebäude kommst, das du nie gesehen hast. Beides geschah in demselben Gehirn, in derselben Nacht, und beides leistete unterschiedliche Arbeit.

Was folgt, ist eine ruhige Sortierung zehn verschiedener Traumarten. Zu wissen, welche du gerade hattest, ersetzt keine Deutung, aber es ändert die Art von Aufmerksamkeit, die du mitbringen solltest. Ein Verarbeitungstraum will bemerkt und losgelassen werden. Ein wiederkehrender Traum will eine Antwort. Ein heilender Traum will geehrt werden. Das sind nicht dieselben Gespräche.

Nicht jeder Traum macht dieselbe Arbeit

In manchen Nächten sortiert dein Gehirn den Tag wie jemand, der einen Schreibtisch aufräumt. In anderen probt es eine Angst, geht eine Wunde durch oder reicht dir leise ein Stück Selbsterkenntnis, dem du ausgewichen bist. Die Textur des Traums ist meist der erste Hinweis darauf, was es ist, und der Körper weiß es vor dem Verstand.

Die zehn Kategorien unten sind nicht hermetisch. Ein einzelner Traum kann Fäden aus zwei oder drei zugleich tragen. Doch die grobe Einteilung hilft. Sie sagt dir, ob der Traum Handlung, Aufmerksamkeit oder einfach das Bezeugtwerden und Loslassen sucht.

10 Arten von Träumen und wofür jede da ist

1

Verarbeitungsträume — dein Tag, leicht neu gemischt

Ein Verarbeitungstraum nimmt das Rohmaterial deiner letzten vierundzwanzig Stunden und schickt es durch die Schleuder. Gesichter, die du gesehen hast, halb beendete Gespräche, ein Lied im Laden, der Stress eines Meetings. Die Handlung ist meist unsinnig, doch die emotionale Temperatur passt zum Tag. Diese Träume sind Teil davon, wie das Gedächtnis sortiert und integriert wird. Wenn du viele davon hast, tut dein Gehirn genau das, was es soll. Bemerke den Rest und lass ihn gehen.

2

Wiederkehrende Träume — dieselbe Szene, die noch einmal fragt

Ein wiederkehrender Traum ist derselbe Schauplatz, dieselbe Figur oder dieselbe Szene, die über Wochen, Monate oder manchmal Jahrzehnte auftaucht. Details verschieben sich, das Kernbild bleibt unverkennbar. Wiederkehrende Träume markieren fast immer ein ungelöstes psychisches Thema: eine Angst, der du nicht begegnet bist, eine Trauer, die nicht zu Ende ist, ein Teil von dir, dem du keinen Platz gemacht hast. Der Traum kehrt zurück, weil das Gespräch nie zu Ende war. Wenn einer wiederkommt, behandle ihn als Einladung, das Unfertige darunter aufzuschreiben.

3

Klarträume — Bewusstsein im Traum

Ein Klartraum ist einer, in dem du, noch im Träumen, erkennst, dass du träumst. Manchmal ist das Bewusstsein kurz und du sinkst zurück. Manchmal kannst du den Traum lenken, eine Figur fragen oder einfach beobachten. Klarträume gehen mit erhöhter Aktivität im präfrontalen Kortex während REM einher, was ungewöhnlich ist. Sie lassen sich kultivieren, und für viele werden sie zu einer leisen kreativen oder therapeutischen Praxis. Hast du spontane Klarträume, sieh es als Zeichen, dass dein innerer Beobachter gerade besonders wach ist.

4

Albträume — Alarmglocken des Angstzustands

Ein Albtraum weckt dich mit voll aktiviertem Körper: Herz pochend, Atem kurz, ein Gefühl von Bedrohung, das Minuten braucht, bis es geht. Sie sind häufig in der Kindheit, in der Schwangerschaft, nach Trauma, bei Medikamentenwechseln und in Phasen hohen Stresses. Albträume sind keine Strafe. Sie sind das Bedrohungssimulationssystem, das laut läuft, oft weil im Wachleben tatsächlich etwas schwierig ist. Wenn du sie häufig hast, schau, was in deinen Tagen unverarbeitet ist, und überlege, ob dein Nervensystem mehr Unterstützung braucht.

5

Heilende Träume — Trauer, Trost, Besuche der Toten

Ein heilender Traum kommt meist sanft. Ein verstorbener Mensch sitzt mit dir in einem vertrauten Raum. Eine Version von dir, der du entwachsen bist, gibt dir eine Botschaft und geht weiter. Die Atmosphäre ist warm oder numinos auf eine Weise, an die du dich noch tagelang erinnerst. Diese Träume scheinen echte Trauerarbeit zu leisten, unabhängig davon, was du über ihren wörtlichen Ursprung glaubst. Sie tauchen oft an Jahrestagen, Übergängen oder in Momenten begrabener Trauer auf. Wenn du viele hast, darf etwas in dir endlich weinen oder beruhigt werden.

6

Angstträume — Prüfungssäle, verspätete Züge, fallende Zähne

Angstträume nutzen ein kleines, wiedererkennbares Personal: die Prüfung, für die du nicht gelernt hast, der Zug, den du nicht erreichst, die Rede, die du nicht vorbereitet hast, die Zähne, die sich in deiner Hand lockern. Sie tauchen auf, wenn du dich gemessen, ausgesetzt oder hinter einem inneren Zeitplan fühlst. Das Bild wechselt, die Funktion bleibt: Deine Psyche stellt das Gefühl auf die Bühne, damit du es siehst. Wenn sie sich für die Saison eingerichtet haben, frag ehrlich, welche Wachsituation dich unvorbereitet fühlen lässt und ob der Maßstab, an dem du scheiterst, überhaupt fair ist.

7

Träume mit prophetischem Anschein (und warum sie es oft nicht sind)

Manchmal scheint ein Traum etwas vorherzusagen. Du träumst von einem alten Freund und er ruft am nächsten Tag an. Du träumst von einem Sturz und stolperst auf einer echten Treppe. Das Gefühl ist unheimlich und ernst zu nehmen, doch der Mechanismus ist meist weniger mystisch, als es wirkt. Wir träumen tausende Szenen pro Jahr und merken uns die wenigen, die zu späteren Ereignissen passen; klassische Bestätigungs- und Rückschauverzerrung. Dennoch bringen manche Träume Dinge an die Oberfläche, die du längst halb wusstest. Wenn dir einer bleibt, frag, was er dir über die Gegenwart sagte, nicht über die Zukunft.

8

Symbolische / archetypische Träume — Mythen in moderner Kleidung

Ein archetypischer Traum fühlt sich größer an als du. Ein weiser Alter, eine dunkle Gestalt auf einem Weg, eine geflutete Stadt, ein Kind, das durchs Feuer getragen wird. Jung argumentierte, diese Bilder kämen aus einer tiefen, geteilten Schicht der Psyche, und auch außerhalb seines Rahmens treten sie kulturübergreifend mit erstaunlicher Regelmäßigkeit auf. Sie kommen an Schwellen: schwere Krankheit, Neuausrichtung in der Lebensmitte, Tod eines Elternteils, Beginn oder Ende eines langen Kapitels. Hast du solche Träume, stellt dein Leben eine große Frage. Höre langsam zu. Aus diesen Träumen sollte man keine schnellen Antworten zerren.

9

Erotische Träume — Begehren, Nähe, Integration

Erotische Träume handeln oft weniger von der wörtlichen Person darin als von dem, was diese Person verkörpert. Macht, Zärtlichkeit, eine Qualität, die du dir zurückholst, ein Teil von dir, den du integrierst. Sie können auch einfach Begehren sein, das durch einen Körper zieht, der wach wenig Raum dafür hatte. Die Scham, die viele wegen erotischer Träume empfinden, ist fast immer unverdient. Wenn du sie lebhaft hast, behandle sie als Information darüber, was dein erotisches und emotionales Leben verlangt, nicht als Anweisung, mit wem du zu handeln hast.

10

Liminale / hypnagoge Träume — zwischen Schlaf und Wachen

Hypnagoge Träume passieren in der Tür zwischen Wachen und Schlaf, beim Eindämmern oder beim Auftauchen. Sie sind oft fragmentarisch: ein plötzliches Bild, eine gehörte Stimme, ein Fallgefühl, eine leuchtende Farbe. Sie fühlen sich anders an als volle REM-Träume, weil sie es sind. Das Gehirn ist im Übergang, die Bilder sind roh, halb geformt. Künstler und Erfinder schöpfen aus diesem Zustand seit langem Material. Wenn dir mehr hypnagoge Bilder auffallen, lockert sich dein Verhältnis zum Schlaf auf interessante Weise, und die Schwelle selbst hat dir etwas zu zeigen.

Wie du erkennst, welche Art du gerade hattest

Wenn du aufwachst, bevor du zum Telefon greifst, stell drei kurze Fragen. Wie fühlt sich der Traum im Körper an: Alarm, Schmerz, Wärme, Ehrfurcht, Verwirrung? Was vom letzten Tag oder zwei tauchte darin auf? Und was, wenn überhaupt, schien der Traum von dir zu wollen: bemerkt, beantwortet, betrauert oder einfach abgelegt zu werden? Die Textur dieser Antworten verortet den Traum meist in einer der obigen Kategorien.

Dann handle entsprechend. Ein Verarbeitungstraum will eine kurze Notiz und deinen Tag. Ein wiederkehrender will längeres Sitzen und einen ehrlichen Satz über das Unfertige. Ein heilender Traum will Dankbarkeit. Ein Albtraum will Zärtlichkeit für dein Nervensystem. Es geht nicht darum, den Traum zu etikettieren und weiterzuziehen, sondern ihn mit der Aufmerksamkeit zu treffen, für die er gekommen ist.

Hast du einen Traum, an den du immer wieder denken musst?

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